"Da Vinci"-Operationssystem bietet Vorteile für Patient und Operateur

Wir haben unsere minimal-invasiven Operationstechniken um das High-Tech-Operationssystem „Da Vinci“ erweitert. „Da Vinci”, ein hoch entwickeltes System zur computergestützten Operation, besteht aus zwei voneinander getrennten Einheiten.

An der Steuerungskonsole bedient der Chirurg Pedale und zwei Joysticks, die in Form und Funktion Operationsinstrumenten gleichen. Die Konsole übersetzt die Bewegungen des Operateurs an ein weiteres Gerät. Dieses verfügt über vier Operationsarme, einer hält eine hochauflösende Stereokamera, die drei übrigen die OP-Bestecke. Jede Bewegung, die der Chirurg an seiner Konsole nun ausführt, wird exakt auf die Operationsarme übertragen. "Da Vinci" ist also kein selbständiger Roboter, sondern nur der Übermittler, der die Bewegungen des Chirurgen an der Bedienkonsole in präzise Aktionen der Operationsinstrumente im Bauch des Patienten umsetzt.

Weil dieser Computer die gängigen Zitterbewegungen der menschlichen Hand ausgleicht und weil der Operateur programmieren kann, in welchem Maßstab seine Bewegungen an den Joysticks an die Operationsarme weitergegeben werden, sind die OP-Schnitte mit Hilfe von „Da Vinci” viel genauer als bei der gängigen minimal-invasiven Chirurgie.

„Da Vinci“ ermöglicht es dem Chirurgen trotz Schlüssellochchirurgie fast so zu arbeiten, als hätte er die Bauchhöhle mit einem großen Schnitt eröffnet. Er erhält mit Hilfe der Kamera ein dreidimensionales Videobild, welches das Operationsfeld in bis zu zehnfacher Vergrößerung zeigt und kann die Instrumente wie seine eigenen Hände bewegen.

Das Verfahren kombiniert die Vorteile der offenen Operation mit denen des minimal-invasiven Vorgehens: minimaler Blutverlust, schnelle Erholung des Patienten, weniger Schmerzen und ein gutes kosmetisches Ergebnis. Außerdem können kleine Blutgefäße und Nerven exakt geschont werden.

In der Vergangenheit lag das Hauptanwendungsgebiet des „Da Vinci“-Systems bei urologischen Eingriffen. So werden in den USA rund 80 Prozent der kompletten Prostataentfernungen (radikale Prostatektomie) bei Prostatakrebs auf diese Weise durchgeführt. Auch in Hohenlind wird diese Methode zur Behandlung bei Prostatakrebs eingesetzt. Nach externen und internen Schulungen, haben wir im Juli 2010 die ersten Patienten zusammen mit dem erfahrenen „Da Vinci“-Trainer Dr. Witt, Chefarzt am Prostata Zentrum des Gronauer St. Antonius Hospitals, erfolgreich operiert. Aber wir führen auch Teilentfernungen der Niere, Nierenbecken- und Beckenbodenrekonstruktionen mit dem „Da Vinci“ durch.

Die computergestützten Operationen bieten jedoch auch in vielen anderen Bereichen entscheidende Vorteile. Sehr gut möglich sind etwa auch der Einsatz zur Entfernung von Tumoren am Mastdarm oder der Gebärmutter bei Gebärmutterhalskrebs. Diese Ausweitung des Einsatzgebietes ist mittelfristig in unserem Krankenhaus geplant.

Eine Behandlung mit dem „Da Vinci“ steht grundsätzlich allen Versicherten offen. Die individuelle Krankengeschichte des Patienten entscheidet dann darüber, ob der Einsatz des Gerätes sinnvoll ist.

Der Gerätename lautet „da Vinci“, weil Leonardo da Vinci den ersten Roboter erfunden hat. Er hat zudem eine unvergleichliche anatomische Genauigkeit und dreidimensionale Details eingebracht, um seine Meisterwerke zum Leben zu erwecken. Analog dazu stellt das „Da Vinci“-Chirurgiesystem den Ärzten eine verbesserte Detailansicht zur Verfügung und ermöglicht eine Präzision, mit der das System trotz der winzigen Schnitte eine offene chirurgische Umgebung simulieren kann.