Hodentumore

Diagnostik und Therapie bei Hodentumoren

Bei über 90% aller bösartigen Hodentumoren handelt es sich um sogenannte Keimzelltumoren. Zu den seltenen Tumoren , die nicht zu den Keimzelltumoren gehören, zählen beispielsweise der Leydigzelltumor, der Hormone wie Testosteron oder Östrogene produzieren kann und nicht immer bösartig ist. Noch seltener kommen Sertolizelltumore und Granulosazelltumore vor. Non-Hodgkin-Lymphome können im Hoden entstehen oder dorthin streuen. Sie kommen vor allem bei älteren Männern vor. Im Gegensatz dazu treten die Keimzelltumoren mit einem Häufigkeitsgipfel von 20-35 Jahren vor allem bei jüngeren Männern auf.
Bei den Keimzelltumoren unterscheidet man die reinen Seminome von den Nichtseminomen, wobei zu letzteren die Dottersacktumoren, die Chorionkarzinome, das Polyembryom, das embryonale Karzinom, das Teratom sowie Mischformen dieser Tumore untereinander oder in Kombination mit Seminomanteilen zählen.

Ursache
Es gibt bis heute keine gesicherte Ursache für Hodentumoren. Es konnten jedoch Risikofaktoren festgestellt werden:

Der wichtigste Faktor ist der vorangegangene Hodentumor. Patienten, die bereits an einem Hodentumor erkrankt waren, weisen ein etwa 50 fach höheres Risiko gegenüber der Normalbevölkerung auf, am gegenseitigen Hoden wieder an einem Tumor zu erkranken.

Ein sogenannter Maldeszensus testis ist mit einem 4-8 fach höherem relativen Risiko behaftet. Von einem Maldeszensus testis, oder auch Hodendystopie, wird gesprochen, wenn der Hoden nicht im Hodensack, sondern oberhalb davon verbleibt. Im Verlaufe des zweiten Lebensjahres sollte der Hoden in den Hodensack eintreten. Meist ist der Hoden, wenn er nicht in den Hodensack eintritt, im Leistenkanal zu tasten; er kann sich jedoch noch höher im Bauchraum befinden.

Eine familiäre Ursache ist ebenfalls wahrscheinlich, familiäre Hodentumoren treten häufiger auf, als dies statistisch zu erwarten wäre. Keimzelltumoren treten vornehmlich bei der weißen Rasse auf, bei Asiaten und Schwarzafrikanern ist dieses Krankheitsbild eine Rarität.

Spermatogonien sind Zellen im Hoden, aus denen für die Spermien entstehen. Nahezu in allen Keimzelltumoren geht eine strukturelle Veränderung der Spermatogonien während der fetalen Entwicklung voraus; man nennt diese eine „TIN“ (Testikuläre intraepitheliale Neoplasie). Dies ist eine Vorstufe des Krebses.

Die Hodentumoren streuen vornehmlich über das Lymphsystem. Aufgrund der embryonalen Entwicklung befindet sich der Lymphabfluß im Retroperitonealraum. Dies ist der Raum hinter der Bauchhöhle, der vornehmlich Fettgewebe, aber auch die Nieren und die großen Blutgefäße beherbergt. Somit sind erste Metastasen typischerweise in der Nähe der gleichseitigen Niere zu finden.

Eine weitere Streuung erfolgt über die Blutbahn. Diese tritt jedoch in der Regel (eine Ausnahme ist z.B. das Chorionkarzinom) erst nach der lymphogenen Streuung auf. Häufigster Streuherd ist die Lunge. Aber auch andere innere Organe, das Gehirn und das knöcherne Skelett werden befallen. Vor allem die Nichtseminome neigen zu einer raschen Metastasierung, Seminome bleiben demgegenüber relativ lange auf den Hoden und seine Umgebung beschränkt.

Symptome
Entgegen der allgemeinen Ansicht treten Hodenschmerzen lediglich in einem Drittel der diagnostizierten Fälle auf. Typisch ist vielmehr eine schmerzlose Verhärtung, eine Größenzunahme und Verformung des Hodens. Spätsymptome treten durch Streuherde auf. Abhängig von der Lokalisation klagen die Betroffenen beispielsweise über Atemnot oder Rückenschmerzen.

Behandlung
Unbehandelt führen die bösartigen Keimzelltumoren schnell zum Tode. Durch die moderne medizinische Entwicklung, insbesondere durch die Erfolge der Chemo- und Radiotherapie, ist die Erkrankung heute jedoch selbst in fortgeschrittenen Stadien in weit über 90% der Fälle vollkommen heilbar.

Die erste Behandlung besteht in der Entfernung des betroffenen Hodens. Dieser wird über einen Schnitt in der Leistengegend und nicht über eine Eröffnung des Hodensackes entfernt. Durch diesen operativen Zugang können die Lymphgefäße als erstes abgeklemmt und somit eine Streuung der Tumorzellen bei späterer Manipulation am Hoden während der Operation verhindert werden. Ferner werden durch einen kleinen Hautschnitt am Hodensack Gewebeproben aus dem gegenseitigen Hoden gewonnen, um das Vorliegen einer TIN oder tumorösen Gewebes auszuschließen. Der Grund hierfür ist das bereits oben erwähnte relativ erhöhte Risiko der Tumorentstehung im gegenseitigen Hoden. Bestätigt die Gewebeuntersuchung das Vorliegen eines bösartigen Keimzelltumors (entweder Seminom oder teratoider Tumor), so beginnt die spezifische Suche nach eventuellen Streuherden. Diese beinhaltet neben der routinemäßigen körperlichen Untersuchung und des Ultraschalls auch die Computertomographie des Bauch- und Brustraumes. Je nach Befund schließt die weitere Behandlung eine Chemotherapie, eine Strahlentherapie oder auch eine operative Entfernung von Streuherden mit ein. Auch bei fehlendem Nachweis von Streuherden (Stadium 1) wird vorsorglich entweder eine Operation, Chemo- oder Strahlentherapie empfohlen, da in etwa 30% der Fälle bereits kleinste, radiologisch noch nicht sichtbare Metastasen bestehen, die zu einem Rückfall führen können. Es ist noch nicht nachgewiesen, ob beim Seminom eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie bezüglich der Erfolgsrate und der Nebenwirkungen die bessere Behandlungsart darstellt. Dies wird im Rahmen von klinischen Studien untersucht. Derzeit sind die Chemotherapie und die Strahlentherapie als völlig gleichwertig zu sehen.

Bei teratoiden Tumoren hilft die Bestrahlung nicht. Hier werden die Lympknoten entweder operativ entfernt oder es muß eine primäre Chemotherapie erfolgen. Durch eine spezielle Operationstechnik lassen sich die Nerven neben der Hauptschlagader schonen, sodaß es nicht zu einer retrograden Ejakulation und damit zur Unfruchtbarkeit kommt. Bei nachgewiesenen Tochtergeschwülsten ist die Chemotherapie mit CisPlatin, Bleomycin und Ethoposid Standard.

Im Anschluß an die primäre Therapie schließen sich regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen über einige Jahre an.

Unsere Klinik verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Therapie der Hodentumoren aller Stadien. Sowohl die operative als auch die Chemotherapie können in unserer Klinik durchgeführt werden. Auch werden alle aktuellen Studien für die weitere konservative Therapie angeboten.