Therapie chronischer Schmerzzustände und stationäre Schmerztherapie

Die zunehmende Bedeutung der Schmerztherapie

Obwohl die Behandlung von Schmerzen zu den elementaren ärztlichen Tätigkeiten gehört, wird dieser Aufgabe erst seit wenigen Jahren eine ausreichende Aufmerksamkeit zugewandt. Forschungsergebnisse der letzten Zeit geben uns Einblick in die komplexen Zusammenhänge von Schmerzentstehung, -weiterleitung und –verarbeitung. Die Messung und Dokumentation von Schmerzzuständen findet immer mehr auch Einzug in den klinischen Alltag der Patientenversorgung.

"Multimodale Schmerztherapie"

In der Vielfalt der Therapieverfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen nimmt die sogenannte multimodale Schmerztherapie eine besondere Stellung ein. Man versteht hierunter die Kombination verschiedener Behandlungsprinzipien: Sowohl medikamentöse als auch operative, insbesondere langfristig angelegte Therapiestrategien werden mit krankengymnastischen und psychologischen Behandlungsansätzen kombiniert. Dem zugrunde liegt ein zunehmend komplexes Verständnis von Schmerzerleben, das einen ganzheitlichen Behandlungsansatz verlangt und einseitig ausgerichtete Therapiekonzepte mehr und mehr in den Hintergrund treten lässt.

Patienteninformation_multimodale_Schmerztherapie.pdf (323KB)
Patienteninformation zur Behandlung chronischer Schmerzen

Stationäre Schmerztherapie am St. Elisabeth-Krankenhaus

Um die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzzuständen kümmern sich in Hohenlind drei Ärzte mit anerkannter Weiterbildung in der sog. "Speziellen Schmerztherapie".

Für die stationäre Schmerztherapie stehen sieben Betten zur Verfügung. 

Nach sorgfältiger Sichtung der Vorbefunde, Anamneseerhebung und körperlicher Untersuchung werden, falls notwendig, weitere diagnostische Schritte eingeleitet bzw. weitere Ärzte aus anderen Fachgebieten konsiliarisch hinzugezogen. Nach Kenntnis aller Befunde und Diagnosestellung wird ein individuelles therapeutisches Konzept erstellt, in dessen Zentrum immer das Erreichen der bestmöglichen Lebensqualität steht. Entsprechend dem ganzheitlichen Ansatz der multimodalen Schmerztherapie erfolgt eine enge Kooperation mit der Abteilung für Physiotherapie (Krankengymnastik) und den hauseigenen Psychotherapeuten und Psychoonkologen.

Im folgenden stellen wir Ihnen einen Auszug unseres Behandlungsspektrums und der möglichen Therapieverfahren vor.

Behandlungsspektrum der stationären Schmerztherapie

  • Tumorschmerzen aller Art
  • Neuropathische Schmerzsyndrome: Postzosterische Neuralgie, CRPS (M. Sudeck), Phantomschmerz, Diabetische Polyneuropathie, Sonstige Neuralgien
  • Schmerzen des Bewegungsapparates: Akuter Bandscheibenvorfall, Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen: Trigeminoautonome Kopfschmerzen (z.B. Cluster-Kopfschmerz), Trigeminusneuralgie, Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Therapiemethoden

Das gesamte Spektrum der medikamentöse Schmerztherapie kann eingesetzt werden:

  • Orale Medikamentengabe mit lang- und schnellwirksamen Präparaten nach dem Basis-Bolus-Prinzip
  • Individueller Einsatz von Medikamenten, die die Schmerztherapie unterstützen (sog. Adiuvantien)
  • Verwendung von Schmerzpflastern (Transdermale Applikation)
  • Intravenöse oder subcutane Medikamentengabe via Pumpe

Ist eine medikamentöse Therapie nicht möglich oder alleine nicht ausreichend, können folgende invasive Techniken eingesetzt werden:

  • Rückenmarksnahe Kathetertechniken (Epidural oder Intrathekal)
  • Periphere Nervenblockaden (als Single Shot oder Kontinuierlich)
  • GLOA (Ganglionäre Lokale Opiod-Analgesie, z.B. am Ganglion cervicale superius)
  • Sympathicusblockaden (z.B. Stellatumblockaden)
  • CT gesteuerte Wurzelblockaden durch die Kollegen der Radiologie

Unterstützt werden die vorgenannten Verfahren durch eine enge Kooperation mit der Abteilung für Physiotherapie , die folgende Behandlungstechniken einsetzen:

  • TENS (Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation)
  • Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Phantasiereisen, Techniken zur Verbesserung der Körperwahrnehmung)
  • Manuelle Therapie und Traktionsbehandlung am Schlingentisch
  • Massagen und Lymphdrainage
  • Wärmetherapie
  • Fußreflexzonen-Behandlung
  • Reflektorische Atemtherapie

Begleitende psychotherapeutische Betreuung erfolgt durch speziell ausgebildete Kollegen und findet in psychotherapeutischen Einzel- und Gruppensitzungen mit folgenden Schwerpunkten statt:

  • Information über chronische Schmerzen
  • Fördern der Fertigkeiten zur Schmerzbewältigung
  • Entdeckung und Aktivierung individueller Ressourcen
  • Individuelle Klärung und gezielte Beeinflussung des Zusammenspiels von Psyche und Schmerz
  • Arbeit an seelischen Symptomen, die unmittelbar mit dem Schmerz verbunden sein können, z.B. Ängste und Depressionen
  • Arbeit an äußeren Belastungsfaktoren, die den Schmerz verstärken
  • Auf Wunsch Einbezug von Angehörigen in die psychotherapeutischen Gespräche

Alle Anmeldungen - sowohl stationär als auch ambulant - laufen über das MVZ Hohenlind (Tel. 0221/4677-72150).